Wie ein Produktmanager denken, nicht wie ein Techniker

Letzte Woche änderte Google einige seiner wichtigsten Algorithmen. Das Ziel: Überoptimierte Seiten abzuwerten. Ein gutes Ziel. Denn überoptimiert heißt für Google in diesem Fall, Websites, die zu viele künstliche Links aufbauten beziehungsweise die eine absurd hohe Keyworddichte aufweisen. INTERNET WORLD Business sprach mit Searchmetrics-Gründer Marcus Tober, der ein Ende der Technikfixiertheit sieht. Content wird wichtiger und damit guter Text.

IWB: Was erwarten Sie hier noch für die Zukunft?

Tober: Ich erwarte dass sich SEOs weiter anpassen werden und mehr nach den Bedürfnissen des Users arbeiten müssen. Ich empfehle ja schon seit Jahren, dass man als SEO einen Schritt zurücktreten muss und nicht stur auf Optimierung und Technik fixiert ist, sondern mehr wie ein Produktmanager denkt. Also was braucht der User, was würde er mit seinen Freunden teilen, wie navigiert der User durch die Seite etc. SEO wird natürlich bleiben, sich aber weiterentwickeln, was ich persönlich sehr gut finde.

Das gesamte Interview finden Sie unter:
„Google hat echte Probleme mit der Länderzuordnung“

Unkaputtbar – oder was? Neologismen und SEO

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, denken sich viele Textschaffende und Sprachspieler, und kreieren neue Wörter, sogenannte Neologismen, Wörter, die entweder ganz neu gebildet wurden, wie zum Beispiel simsen, oder Wörter, die aus der Komposition von mehreren Substantiven, Adjektiven oder Adverbien entstanden. Bekannte Beispiele dieser Wortschöpfungen in der Werbung sind unkaputtbar, aprilfrisch, hauchzart. Einige Wörter wurden auch bewusst von Marketingabteilungen in die Welt gesetzt: So wurde Zahnpasta durch Zahncremes ersetzt. Das klingt gesünder.
Aber auch Journalisten lieben solche Wortgeschöpfe und erfinden Begriffe wie Gotteskrieger, Gutmensch oder Modezar. Viele Neologismen entspringen der Jugendsprache und schaffen es in den normalen Sprachgebrauch wie zum Beispiel der Warmduscher oder hammergeil, der allerdings nur noch von Berufsjugendlichen wie Dieter Bohlen benutzt wird. Selbst Politiker greifen zu der Sprachtrickkiste und machen aus einer Klimakatastrophe einen Klimawandel oder reden – je nach politischer Couleur – entweder von Herdprämie oder Betreuungsgeld.
Neologismen sind ein ausdrucksstarkes Werkzeug, anschaulich zu schreiben oder zu sprechen. Sie erzeugen oft starke Bilder, regen zum Denken an und überraschen. Was hat das nun mit SEO zu tun?? Mehr

Grundlagen: Long Tail

Was hat es sich mit langen Schwänzen auf sich? Ich verzichte hier auf schlüpfrige Anspielungen und komme direkt zur Sache (Jack Horner): Long Tail ist eine Theorie des US-amerikanischen Journalisten Chris Anderson – sie hat sich in der Praxis mittlerweile bewährt –, die besagt, dass man in Zeiten globaler und monopolisierter Märkte im Internet nur mit Nischenprodukten Geld verdienen kann – sofern man nicht Amazon oder Google heißt.
Der Gedanke dahinter:Weltweit können Menschen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen online ihre Leidenschaften befriedigen. So können zum Beispiel Sammler aus Äquatorialguinea oder Zypern über einen deutschen Händler in den Besitz schönster deutscher Panini-Bilder kommen (siehe: schönste Panini-Bilder). Wer eine Handytasche aus Lamafell haben will, muss nicht mehr nach Peru reisen, sondern bestellt sie über seinen PC.
Das heißt: Der Schwanz der Verteilung wird immer länger, aber gleichzeitig findet im Internet eine enorme Konzentration auf wenige Monopolisten statt. Wer Geld verdienen will, muss sich an Amazon vorbeischleichen. Mit den richtigen Keywords.
Und das schafft man, indem man gezielt den Wörterschwanz von Anfang bis zum Ende bedient. So wie das Produkt über spezielle Eigenschaften verfügt, so muss der Text über spezielle Wörter verfügen.
Nehmen wir das Beispiel Handytasche. Wenn Sie eine Handytasche aus Lamafell verkaufen wollen, bringt es wenig, Ihre Webseite auf Handytasche zu optimieren. Das machen viele und Sie würden nie auf den ersten Seiten gerankt werden. Eine Optimierung auf „Handytasche Lamafell“ wäre sicherlich in Sachen Ranking sehr erfolgsversprechend. Aber sucht danach jemand? Vielleicht. Den hätten sie schon einmal auf Ihrer Seite. Aber um wirklich erfolgreich zu sein, sollten Sie schon noch mehr Kunden auf Ihre Website locken. „Spezialhandytasche, Peru, Fell, individuell, stylisch, maßgeschneidert“ wären einige Möglichkeiten. Am Ende könnte der lange Schwanz so aussehen: Handytasche, individuell, Fell.